Christian Gantenbein

Licht leuchtet ins Dunkel

Licht scheint ins Dunkle <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Gerd&nbsp;Altmann&nbsp;auf&nbsp;Pixabay)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-frutigen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>42</div><div class='bid' style='display:none;'>2383</div><div class='usr' style='display:none;'>11</div>

Nebst diversen Infos erscheinen derzeit auf unserer Homepage auch besinnliche Beiträge. So auch dieses Editorial, das ich für die Zeitung "reformiert." geschrieben habe.


Christian Gantenbein,
Kürzlich streckte mir ein Mann in einem grossen Bahnhof einen Handzettel entgegen. „Sie brauchen Jesus“ rief er. Freilich sagte ich nichts, dass ich mit diesem durchaus vertraut bin. Sogleich aber fing mein Gegenüber an, über die Schutzmassnahmen und die politischen Behörden zu schimpfen. Corona gebe es gar nicht, Bill Gates habe das angezettelt und er erwähnte noch Teile einer Verschwörungstheorie. Die Wortfetzen kamen sehr wirr daher und ich merkte, dass ich es mit einem Corona-Leugner zu tun hatte.

Im Zug las ich auf dem evangelistischen Flyer verschiedene Jesus-Worte. Wenn ich mir allerdings vor Augen halte, dass es eben diesem Jesus nicht nur um das Seelenheil, sondern auch um das gesundheitliche Wohlergehen der Menschen und um das Nötige für den Leib geht, so spüre ich einen totalen Widerspruch zwischen dem verantwortungslosen Verhalten des Traktat-Verteilers und der in den Evangelien überlieferten Jesus-Botschaft. Wie man frommes Reden und die Verachtung des biblischen Lebensschutzes unter einen Hut bringen kann, ist mir mehr als schleierhaft.

Wir brauchen nur mit wachen Augen und klarem Verstand um uns zu sehen, um zu erkennen: Die zweite Welle der Corona-Pandemie löst massive gesundheitliche wie auch wirtschaftliche Probleme aus. Da ist es unabdingbar, entschlossen zusammenzustehen und alles daran zu setzen, dieses Virus möglichst effizient zu bekämpfen. Für Christinnen und Christen sollte dies eh selbstverständlich sein.

Licht als Zeichen der Hoffnung
Es gibt ja wahrhaftig schon sonst genug persönliche Sorgen, Ängste, Grenzen und schwierige Erlebnisse, aber auch Nöte anderer Menschen, Ungerechtigkeit und Armut auf der ganzen Welt. Hinzu kommen gegenwärtig die langen Nächte, die nicht allen gut tun und das Dunkel noch verstärken können.
Und doch: Woche für Woche zünden wir eine Kerze mehr an auf unserem Adventskranz. Das zunehmende Licht weist untrüglich auf Weihnachten hin. Und damit auf denjenigen, dessen Geburt wir an diesen Festtagen feiern. Seit diesem Tag gibt es ein Licht, das alle Dunkelheit durchbricht. Da spricht uns einer zu, doch die Hoffnung nicht zu verlieren, im Gebet mit den Sorgen zu ihm zu kommen, Schritte zur Veränderung einzuleiten und mit Mut voranzugehen. Jesus konnte von sich sagen: «Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt» (Johannes 12,46).

Das Licht weitertragen
Dank der weihnächtlichen Botschaft und dank Jesu Leben und Werk sind Christinnen und Christen Hoffnungsmenschen! Und dann gilt: «Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt…» (Jesaja 60,1). Was für ein Vorrecht: Wir dürfen Licht und Leben in den Alltag unserer Mitmenschen hineintragen. Anstelle von Leid und Tod bringt die christliche Hoffnung Leben! Licht ermöglicht zudem Orientierung. Nutzen wir doch die Adventszeit, uns dieser Hoffnung für die ganze Welt und für uns selbst bewusst zuzuwenden, um nicht im Dunkel stehen zu bleiben. Die Adventszeit ermutigt uns, trotz Nöten und Sorgen nicht aufzugeben, sondern zu hoffen, zu vertrauen und anzupacken. Vielleicht hilft es uns, dabei eine Kerze anzuzünden und die Worte Jesu zu verinnerlichen.

Das folgende Gedicht zeigt, dass solche Anwendung seine Ausstrahlung nicht verfehlen wird:

Ich wünsche dir das Licht,
das sich in der Hingabe vollendet.
Es lässt die Dunkelheit zurückweichen.

Ich wünsche dir das Licht,
das durch die Gegenwart Christi kommt.
Wenn wir mit ihm gehen und sein Wort annehmen –
wie könnte uns dann die Nacht überkommen?

Ich wünsche dir das Licht,
das leuchtet durch die Freude des Teilens.
Wenn Schwestern und Brüder
sich gegenseitig immer neu helfen und aufrichten,
wenn sie miteinander reden und beten,
dann verliert die Nacht ihre Macht auf dieser Erde.

Ich wünsche dir das Licht,
das durch den immer neu geführten Dialog leuchtet,
wenn sich Getrenntes im Gespräch wiederfindet.

Freunde,
wenn unsere Wege, so oder so,
demütig, treu, mit Beharrlichkeit gegangen,
Gottes Licht durchscheinen lassen durch Taten und Worte –
welche Ausstrahlung wird es haben in jeden Teil dieser Erde?
VerfasserIn unbekannt

Ihnen allen wünsche ich von Herzen eine lichtvolle Adventszeit und dann frohe, gesegnete Feiertage sowie gute Gesundheit!
Christian Gantenbein, Pfarrer


Bereitgestellt: 05.12.2020     Besuche: 40 Monat 
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