Gemeinsam mit der Kirchgemeinde Kandergrund-Kandersteg und der Organisation ena Schweiz haben wir ein Wochenende verbracht, das bleibende Eindrücke hinterlassen hat.
Die Vorbereitungen fürs Projekt sind bereits zu Jahresbeginn gestartet. Endlich – nach dem Feinschliff am Freitagnachmittag ging der Startschuss am Samstag, 13. Juni um kurz nach 13 Uhr los: knapp 40 Sechstklässler aus der Kirchlichen Unterweisung (KUW) versammelten sich beim Kirchgemeindehaus und wurden vom Leitungsteam begrüsst. Es folgten erste Instruktionen und schon wurde die Kasse des Festnachmittages eröffnet. Ein buntes Angebot an Spielen mit Schokokopfschleuder, Torwand-Schiessen, heisser Draht, Riesen-4-Gewinnt, Billard etc. wartete auf die Besuchenden. Im Beauty Corner konnte man sich die Haare flechten lassen, ein Henna-Tattoo bekommen und viele Kinder durften sich schminken lassen.
Für Erfrischung sorgten leckere Drinks, kühle Getränke, Popcorn und Glacé im Jugendraum und bei der Candybar – organisiert vom crossways – gab es viele Schlecksachen. Ein grosses Kuchenbuffet liess keine Wünsche übrig und auch den Kaffee gabs dazu. Für den Flohmarkt hatten die Sechstklässler zu Hause Spiele und Bücher aussortiert – es kam ein breites Angebot zusammen und viele Sachen fanden neue Besitzer.
Die im Unterricht gestalteten Segenkarten konnten an einem Ballon befestigt werden. Diese wurden dann zum Ende der Veranstaltung von allen Kindern auf dem Rasen fliegen gelassen.
Es herrschte eine fröhliche, zufriedene Stimmung – das Wetter tat seiniges dazu, worüber wir sehr froh waren! Ein besonderer Höhepunkt waren die Tanzauftritte der crossways Gruppen. Mit viel Herzblut tanzen sie die eingeübten Choregraphien und brachten dem Publikum viel Freude.
Ab 17 Uhr gehörte dann das Kirchgemeindehaus den Teilnehmenden des Programms «Nacht ohne Dach». Die Nacht ohne Dach ist ein erlebnispädagogisches Konzept, welches das Thema Armut den Kindern und Jugendlichen näher bringen will. Mit grossen Kartons durfte die eigene Unterkunft für die Nacht vorbereitet werden. Kreativ und voller Elan wurde gebaut, geklebt und getüftelt. Von Wänden und Dächern bis hin zu Gepäckablagen und Dachfenstern gab es tolle Lösungen um das eigene «Heim» gemütlich zu machen. Nach einem einfachen Abendessen im selbstmitgebrachten «Chacheli» kam Michael Durrer von ena zu uns. In seinem Input und mit einem Spiel verdeutlichte er den Jugendlichen, was es bedeutet in Armut zu leben und wie viele Kinder in Slums auf der Strasse genau in solchen Kartonhütten Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen.
Aus diesem Grund setzt sich ena zusammen mit der Partnerorganisation Paz y Esperanza in Peru für ein Berufsbildungsprojekt ein. Dort können Jugendliche und junge Erwachsene eine Ausbildung ähnlich der Schweizer Berufslehre machen und erhalten somit die Möglichkeit und Perspektive ein Leben aus der Armut heraus leben zu können.
Sämtliche Einnahmen des Festnachmittags sowie auch die Kollekte vom Sonntagmorgen-Gottesdienst gingen darum auch zu Gunsten des Berufsbildungsprojektes an ena.
Gegen 23 Uhr haben die Jugendlichen dann ihre Hütten bezogen – doch bis Ruhe einkehrte und alle, zumindest ein kleines bisschen, schlafen konnten, dauerte es noch lange. So war die Nacht kurz und kalt und hat entsprechenden Eindruck hinterlassen. Zum Frühstück gab es zuerst einfach Brot und Wasser, was zum Erstaunen des Leitungsteams, keinen Widerstand bei den Jugendlichen auslöste. Nach dem Suchen von weiteren Esswaren wurde dann das etwas ausgiebigere Frühstück doch sichtlich genossen und man konnte neue Kräfte für den Tag sammeln.
Im Gemeinde- und Jugendgottesdienst am Sonntagmorgen durften die Eltern und weitere Besuchende viele Bilder des Projekts anschauen und zusammen mit der Erlebnisrunde der Jugendlichen unter der Leitung von Karin Ryter einen Eindruck erhalten, was wir erlebt hatten. Die Band des Jugendgottesdienstes SPIRIT war für die Musik zuständig und Christoph Furrer, Pfarrer in Kandergrund-Kandersteg hielt eine anschauliche Predigt. Er spannte den Bogen von der materiellen Armut zu einer Art von Armut, die wir alle auch erleben – fehlende Liebe. Wie oft hören wir Sätze und Aussagen, die feindselig, böse und niedermachend sind. Doch das ist nicht das, was uns ausmacht. So zog er sein graues T-Shirt aus und darunter erschien ein weisses Shirt mit der Aufschrift «Gliebt!». Wir sind geliebt von Gott!
Nach dem Gottesdienst durften alle die Hütten besichtigen und sich noch bei einem letzten Stück Kuchen stärken. So ging kurz nach dem Mittag ein erlebnisreiches, spannendes und von vielen Eindrücken und schönen Begegnungen geprägtes Wochenende zu Ende!
Wir danken allen, die in irgend einer Art und Weise mitgewirkt und das Projekt unterstützt haben!
Das Kernteam:
Karin Ryter, Katechetin
Cornelia Wittwer, KUW-Mitarbeitern
Sarah Gyger, Jugendarbeiterin
Angela Stauffer, Leiterin Jugendraum
Christoph Furrer, Pfarrer Kandergrund-Kandersteg
…und viele weitere HelferInnen und Helfer!
» www.ena-schweiz.ch
» www.nachtohnedach.ch